Zwischenbilanz: Neu-Medikamente nützlicher als erwartet

Posted on April 15th, 2014 April 15th, 2014 by Diana

Es hatte für reichlich Aufregung in der Pharmaindustrie gesorgt: Das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (Amnog) sollte Arzneihersteller in die Schranken weisen. Denn diese können Preise für ihre neuen patentgeschützten Arzneimittel nicht mehr uneingeschränkt selbst bestimmen. Stattdessen müssen sie belegen, dass das neue Medikament gegenüber einer „zweckmäßigen Therapie“ einen deutlichen Zusatznutzen aufweist. Noch im Juni, als das erste Medikament auf diese Weise die Preisverhandlungen durchlief, warnte der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), Innovationen in Deutschland würden praktisch nicht mehr verfügbar.

Doch eine erste Bilanz zerstreut jetzt offenbar diese Befürchtungen. Sie zeigt, dass 16 Prozent der geprüften Neu-Präparate den Patienten im Vergleich zu bisherigen Therapien beträchtlich mehr bringen. Die Bilanz stammt von dem für die Bewertung zuständigen höchsten Gremium im Gesundheitswesen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). „In fast zwei Dritteln der Fälle hat der GBA insgesamt einen Zusatznutzen anerkannt“, sagte der Vorsitzende Josef Hecken. In dem Gremium entscheiden Vertreter der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken auf wissenschaftlicher Basis unter anderem über den Nutzen neuer Therapien.

Bisher bewertete der G-BA 25 neue Mittel gegen gravierende Krankheiten wie Herzleiden oder Krebs. Die Medikamente wurden von Pharmafirmen in der Regel nach jahrelanger Entwicklung mit immensen Umsatzhoffnungen auf den Markt gebracht.

Zahlen widerlegen die Befürchtungen der Pharmafirmen

„Die Zahlen widerlegen auch das Argument, mit den Prüfungen werde einseitig zu Lasten der Patienten Sparpolitik betrieben und Innovationen würden kaputtgeprüft“, sagte Hecken. Pro Jahr gebe es nach internationalen Erfahrungen bei neuen Arzneien etwa 15 bis 20 Prozent echte Innovationen. Allerdings, so die Zwischenbilanz des G-BA, sei die Bestnote eines erheblichen Zusatznutzens bisher nicht vergeben worden. Beträchtlich mehr bringen demnach vier neue Arzneimittel, gering mehr neun. Kein Zusatznutzen sei nur vereinzelt festgestellt worden.

Früher stellte sich aus Sicht von Pharmakritikern zu häufig heraus, dass die neuen Mittel nicht viel besser wirken als alte – dafür aber wesentlich teurer sind als diese. Die Anfang 2011 in Kraft getretene schwarz-gelbe Pharmareform Amnog legt fest, dass die Bewertung durch den G-BA Basis für die Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Kassenverband sind. Demnach darf nur, was dem Patienten mehr bringt, auch mehr kosten. Zuvor hatten die Firmen die Preise frei festlegen können.

„Im Vorfeld wurde gesagt, dass durch die frühe Nutzenbewertung in Deutschland vieles kaputtgespart würde“, sagte Hecken. Die Befürchtungen der Pharmaindustrie, das Gesetz würde Patienten den Zugang zu Innovationen versperren, sei nun ad absurdum geführt, so der G-BA-Chef. Der 53-Jährige führt den Ausschuss seit Juli, zuvor war er Familienstaatssekretär, Chef des Bundesversicherungsamts und Landesminister.

Eine Reihe neuer Mittel sind nach Heckens Worten von den Firmen nicht zur Prüfung angemeldet worden, weil diese wohl Probleme erwartet hätten. „In anderen Fällen werden Mittel auf Patienten beschränkt, die wirklich davon profitieren.“ Hersteller strebten dagegen eine breite Anwendung an. „Den Patienten wird auf verschiedene Weise geholfen“, meinte der Ausschuss-Chef. „Übertriebene Hoffnungen in ein Präparat werden verhindert, das Risiko zu großer Nebenwirkungen minimiert.“

Original-Artikel: http://www.spiegel.de

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Categories Medizin
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